I N T E R W O V E N : Part N° 1 

 

Interwoven bedeutet 'verwoben' und auch 'verknüpft'. In selteneren Fällen wird der Begriff auch für 'verflochen', 'verschränkt', 'vermischt', 'verschlungen', 'ineinander verschlungen' und 'durchwirkt' verwendet.

 

Mein Interesse bestand darin, flächenartige, vertikale, hängende Strukturen, die aus weichen Material bestehen und in ihrer Form flexibel aber dennoch tragend sind, mit den eigenen Händen zu knoten. Ich wollte überdimensional arbeiten, um meinen Körper in die Fläche reinweben zu können. Mein Wunsch war es alleine und gemeinsam mit anderen, körperliche Kräfteverhältnisse untersuchen und in eine bewusste Außeinandersetzung mit der Gravitation und ihrer Wirkung zu gehen.

 

Ich lud ein paar Kolleginnen dazu ein, mit mir unterschiedlichste Techniken der Flächenherstellung gemeinsam im Großformat zu erproben. Es war ein schöner Austausch und wir erkannten wie notwendig jeder einzelne Körper beim Halt der Struktur ist.

 

Dokumentationsvideo, 05/2019, Wien: 

Konzept: Daniela Staudinger

Teilnehmende: Martina Knapp, Viola Koller, Therese Lederer, Carola Prem, Antonia Schuster, Noe Schuster

Da ich mit den Händen das Gewebe erstellte, fühlte es sich am stimmigsten an für mich, Tuchfarben zu verwenden, die meiner Haut ähneln.

Vor und während der Entstehung der Arbeit verspürte ich ein wachsendes Ruhebedürfnis, das ich im Nachhinein auch mit dem Wunsch eines Kokonbaues in Verbindung bringe. Kokons sind von Jungtieren eigens hergestellte Gehäuse, die unter anderem zum Überdauern älterer Entwicklungsstadien, wie der Puppenruhe, nötig sind. Da ich keine Spinndrüsen besitze, aus denen Flüßigkeit austritt, die an der Luft sehr schnell zu Fäden erstarrt wie bei den Gliederfüßern, verwendete ich stattdessen Textilien.

Die entstandenen Bilder erinnern mich an die tierische Somatolyse, die übersetzt eine 'Auflösung des Körpers' beschreibt. Eine Form der Tarnung, in der die Tiere mit der Umgebung verschmelzen zu scheinen. Auch dieser Wunsch des Sich-verbergens lässt mich im Nachhinein auf mein damaliges Bedürfnis nach Ruhe und Isolation zurückführen.

Während dem Bewegen in dem Gebilde war es spannend für mich, wie sich diese vertikale Fläche durch die Einbringung von Gewicht und Masse verändert. Weiters empfand ich den Bau des Gebildes als sehr selbstermächtigend, da ich mir ein eigenes, temporäres Habitat knüpfte. Einerseits wirkte die Schwerkraft herausfordernd und andererseits unterstützte sie die Entspannung und das Loslassen. Sobald ich eine angenehme, umhüllte Position einging, verbreitete sich ein Gefühl von Geborgenheit in meinem Körper.

In der visuellen Nachbearbeitung war es spannend für mich zu erkennen, welche feinen Unterschiede es gibt und Fragen wie „Wann ist der Körper im Textil und wann ist das Textil um den Körper?“ tauchten auf. Auch die Wandlungen des Konstruktes von Bekleidung, bis Behausung, Fesselung und textilen Skulptur und Einheit erstaunten mich.

 

Fotoreihe, 01/2020, Wien

 

Konzept und Kamera: Daniela Staudinger

Assistent: Elvis Parizek 

Ihr seht hier den Alternating Half Hitch – Knoten. Übersetzt den 'Alternierenden Halben Schlag'. Dies ist eine Grundform der Knotenkunde und er entsteht wenn man mit dem einem Tuchende einen einfachen Törn um das andere Tuchende legt.

Ich erkannte, dass sich der simple 'Alternating Half Hitch' – Knoten für mein Vorhaben am Besten eignete, da er wenig Material verbraucht, Stabilität aufweist und dennoch bis zu einem gewissen Grad flexibel ist.